Glaube ist keine Blindheit
Manchmal hört man den Ausdruck „blinder Glaube“. Damit kann ich persönlich wenig anfangen.
Glaube bedeutet für mich nicht, den Verstand an der Kirchentür abzugeben und anschließend alles ungeprüft zu übernehmen, was irgendjemand mit religiöser Stimme erzählt. Gerade die Bibel fordert Menschen immer wieder zum Prüfen auf.
Fragen sind deshalb für mich kein Feind des Glaubens.
Ich habe selbst Fragen. Manche davon beschäftigen mich seit Jahren. Und manche meiner größten Fragen sind überhaupt erst durch meinen Glauben entstanden.
Warum lässt Gott bestimmte Dinge zu? Warum greift ER manchmal ein und manchmal scheinbar nicht? Warum müssen Menschen leiden? Warum verstehe ich manches in der Bibel sofort und anderes nach dem zehnten Lesen immer noch nicht?
Ich glaube nicht, dass Gott vor solchen Fragen Angst hat.
Glaube bedeutet auch nicht, keine Zweifel zu kennen. Ein Mensch kann zweifeln und trotzdem an Gott festhalten. Entscheidend ist für mich vielmehr, wohin ich mit meinen Zweifeln gehe.
Gehe ich von Gott weg?
Oder gehe ich gerade mit meinen Fragen zu IHM?
Das ist ein Unterschied.
Hoffnung und Glauben – die Theologie der Hoffnung
Hoffnung und Glaube gehören eng zusammen. Aber sind sie deshalb dasselbe? Für mich nicht.
Wenn ich glaube, vertraue ich Gott. Wenn ich hoffe, richtet sich dieses Vertrauen gleichzeitig nach vorne. Ich erwarte etwas von Gott.
Und damit meine ich nicht: „Ich hoffe, dass morgen schönes Wetter ist.“ Das kann funktionieren – oder ich schaue aus dem Fenster und habe den Salat.
Christliche Hoffnung geht tiefer.
Sie bedeutet nicht einfach: „Es wird schon irgendwie alles gut.“ Das wäre Optimismus oder manchmal schlicht Wunschdenken. Christliche Hoffnung hat einen Grund. Und dieser Grund ist Jesus Christus.
„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns […] wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“
1. Petrus 1,3
Genau an dieser Stelle wird die Theologie der Hoffnung interessant. Der evangelische Theologe Jürgen Moltmann machte diesen Gedanken in seinem gleichnamigen Werk besonders stark: Der christliche Glaube schaut nicht nur zurück auf das, was Gott getan hat. Er schaut gleichzeitig nach vorne auf das, was Gott verheißen hat.
Und im Zentrum steht die Auferstehung Jesu Christi.
Manchmal wird das Christentum beinahe ausschließlich rückwärts erzählt: Jesus wurde geboren. Jesus lebte. Jesus wurde gekreuzigt. Jesus ist auferstanden.
Alles richtig.
Aber dann kommt doch die entscheidende Frage:
Und nun?
Die Geschichte ist nicht zu Ende.
Wenn Jesus Christus tatsächlich von den Toten auferstanden ist, dann bedeutet das für den christlichen Glauben: Der Tod hat nicht das letzte Wort.
Und damit sind wir bei der Eschatologie, also der Lehre von den letzten Dingen: Tod, Auferstehung, Gericht, Wiederkunft Christi, ewiges Leben und die Vollendung des Reiches Gottes.
Man kann über Eschatologie natürlich ganze Bücher schreiben. Haben Theologen auch gemacht. Viele. Sehr viele.
Gut für mich. Dann habe ich wieder einen Grund, ein Hardcover zu kaufen.
Aber hinter all diesen theologischen Begriffen steckt letztlich eine Frage, die jeder Mensch versteht:
Was kommt am Ende?
Christliche Hoffnung antwortet darauf nicht mit dem Nichts. Sie richtet ihren Blick auf Gott und auf seine Verheißungen.
Und diese Hoffnung bedeutet trotzdem nicht, dass in meinem jetzigen Leben alles wunderbar laufen wird. Jesus hat seinen Nachfolgern kein sorgenfreies Leben versprochen.
„In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“
Johannes 16,33
Das ist für mich ein entscheidender Unterschied zwischen Optimismus und christlicher Hoffnung.
Optimismus schaut auf die Umstände und sagt: „Das wird schon.“
Christliche Hoffnung kann sogar dann bestehen, wenn die Umstände gerade ziemlich beschissen aussehen. Sie sagt:
„Ich weiß nicht, was kommen wird. Aber ich weiß, wem ich meine Zukunft anvertraue.“
Und genau deshalb gehören Glaube und Hoffnung für mich zusammen.
Der Glaube sagt: Ich vertraue Gott.
Die Hoffnung sagt: Deshalb vertraue ich IHM auch das an, was noch vor mir liegt.
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