Glaube verändert den Menschen
Wenn ein Mensch wirklich an Jesus Christus glaubt, bleibt dieser Glaube nicht irgendwo im Kopf hängen. Er verändert den Menschen.
Damit meine ich nicht, dass ein Christ morgens aufwacht und plötzlich perfekt ist. Schön wäre es ja: Augen auf, Heiligenschein sitzt, sämtliche schlechten Eigenschaften verschwunden.
Jupp.
Funktioniert leider nicht so.
Christsein ist ein Weg. Und auf diesem Weg lässt Gott seine Kinder nicht alleine. ER gibt ihnen den Heiligen Geist.
Jesus selbst bezeichnet IHN als den Geist der Wahrheit:
„Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in alle Wahrheit leiten.“
Johannes 16,13
Das ist für mich ein wesentlicher Bestandteil des christlichen Lebens. Der Heilige Geist verändert nicht nur das, was ich glaube. ER verändert nach und nach auch, wie ich denke, wie ich mich selbst sehe, wie ich andere Menschen sehe und wie ich diese Welt wahrnehme.
Dinge, die mir früher vollkommen normal erschienen, können plötzlich fragwürdig werden. Und Dinge, an denen ich früher achtlos vorbeigegangen bin, bekommen auf einmal Bedeutung.
Warum?
Weil sich meine Perspektive verändert.
Ich frage nicht mehr ausschließlich: Was möchte ich? Was bringt mir etwas? Was halte ich für richtig?
Irgendwann kommt eine andere Frage dazu:
HERR, wie siehst DU das?
Paulus beschreibt diese Veränderung als Erneuerung unseres Denkens:
„Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist.“
Römer 12,2
Und manchmal führt der Heilige Geist mich eben nicht zu der Wahrheit, die ich gerne hören möchte, sondern zu der Wahrheit, die ich hören muss.
Das ist ein kleiner, aber ziemlich entscheidender Unterschied.
Gott hat schließlich nicht versprochen, mir bei jeder meiner Ansichten begeistert auf die Schulter zu klopfen und zu sagen:
„Löwe, hervorragend. Genau so habe ich mir das gedacht.“
Manchmal zeigt ER mir auch schlicht:
Junge, da liegst du daneben.
Und genau darin liegt für mich ein Teil der Veränderung.
Der Heilige Geist ist schließlich nicht dazu da, mir permanent zu bestätigen, wie großartig ich sowieso schon bin. ER führt in die Wahrheit. Und Wahrheit kann auch bedeuten, etwas über mich selbst erkennen zu müssen, das ich lieber nicht gesehen hätte.
Für mich betrifft diese Veränderung den ganzen Menschen.
„Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt.“
1. Thessalonicher 5,23
Geist, Seele und Leib.
Der Glaube ist deshalb für mich nichts, was irgendwo in einer kleinen religiösen Schublade liegt, die ich sonntags öffne und anschließend wieder zuschiebe.
Er greift in mein Leben hinein.
Er beeinflusst mein Denken, meine Entscheidungen, meinen Umgang mit meinem Körper, meine Beziehungen und meinen Blick auf andere Menschen. Die Bibel spricht in diesem Zusammenhang von Heiligung. Der Mensch lässt sich von Gott verändern.
Paulus beschreibt diese Veränderung sogar als einen fortschreitenden Prozess:
„Wir alle aber […] werden verwandelt in sein Bild von einer Herrlichkeit zur andern von dem Herrn, der der Geist ist.“
2. Korinther 3,18
Da steht: Wir werden verwandelt.
Nicht: Wir kleben ein christliches Etikett auf unser bisheriges Leben und machen ansonsten genauso weiter.
Der Heilige Geist arbeitet am Menschen.
Und manchmal braucht ER dafür offensichtlich ziemlich viel Geduld mit uns.
Bei mir jedenfalls.
Auch meine Wahrnehmung der Welt verändert sich dadurch. Wenn ich glaube, dass jeder Mensch ein Geschöpf Gottes ist, kann ich Menschen nicht ausschließlich danach beurteilen, was sie besitzen oder leisten. Wenn ich glaube, dass mein Leben Gott gehört, verändert das meine Entscheidungen. Wenn ich glaube, dass die sichtbare Welt nicht die gesamte Wirklichkeit ist, verändert das meinen Blick auf Leben und Tod.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Christen plötzlich alles richtig erkennen.
Auch Christen können sich irren. Gewaltig sogar.
Sonst wären zweitausend Jahre Kirchengeschichte an manchen Stellen vermutlich erheblich entspannter verlaufen.
Darum ist auch der Satz „Der Heilige Geist hat mir gesagt …“ für mich kein Freifahrtschein für jede persönliche Meinung. Geistliche Erkenntnis muss geprüft werden. Sie muss zu Jesus Christus passen, zur Heiligen Schrift und zu dem, was der Geist Gottes hervorbringt.
Paulus nennt dafür sogar konkrete Früchte:
„Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.“
Galater 5,22–23
Daran wird die Sache ziemlich praktisch.
Wenn ich behaupte, der Heilige Geist verändere mich, ich gleichzeitig aber immer liebloser, hochmütiger, brutaler und rücksichtsloser werde, sollte ich vielleicht einmal überprüfen, welchem Geist ich da eigentlich so begeistert hinterherlaufe.
Und schließlich gehört auch unser Leib zu Gottes Erlösung. Bereits heute kann der Glaube unseren Umgang mit unserem Körper verändern. Die endgültige Verwandlung des vergänglichen Leibes verbindet Paulus allerdings mit der Auferstehung.
„Der unsern nichtigen Leib verwandeln wird, dass er gleich werde seinem verherrlichten Leibe.“
Philipper 3,21
Für mich bedeutet das: Glaube verändert den ganzen Menschen – Geist, Seele und Leib. Er verändert unser Denken und schließlich auch unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit.
Aber diese Veränderung ist ein Weg.
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