Séance
An einem jener Tage, die ganz normal verlaufen sollten, zog es mich in eine Séance. Was ein Crowley hinbekam, das sollte ich doch auch können. So zeichnete ich in meiner Wohnung, in der Mainzer Innenstadt, ein Pentagramm auf den Boden. Es sollte schützen. Das tat es auch, wartet ab. Kerzen zierten die Spitzen und ich versuchte nun, gewisse Worte zu murmeln, irgendwas was ich aus Büchern hatte und was mir in den Kopf kam. Sollte ich das wirklich machen? Die Neugierde war groß, das zu erwartende Glück nahezu überschwänglich, was sollte jetzt noch schief gehen? Oke, ich gestehe, ich hatte auch irgendwie Angst. Also ging ich, relativ unerhaben, in das Pentagramm und murmelte weiter. Bücherworte und das was möglich war tat ich. Langsam setze ich mich in einen Schneidersitz in das Pentagramm.
Zunächst geschah überhaupt nichts. Eher so Fragen wie, ob ich das wirklich will, beschäftigten mich, aber ich hielt daran fest und wollte es. Freier Wille und so… Dann… begann es. Es wurde vor meinen Augen dunkel, dunkler als zuvor, dunkel wie nicht von dieser Welt. Ich merkte in dieser Dunkelheit Wesen sind, die sich immer mehr manifestierten. Sie kamen von rechts unten aus dem Boden heraus. Wie Rauch manifestierte sich auf der linken Seite. Sie waren da.
„Warum rufst du uns?“. Fragte mich einer der Dämonen.
„Ich möchte mehr Macht und Kraft“. Antwortete ich.
Es wurde still und ich wurde an eine Wand geführt. Eine spirituelle. Diese Wand war dicht, beweglich und schwer zu durchdringen.
„Du musst durch die Wand“ sagte der Dämon.

Gegen die Wand gedrückt und es geschah nicht viel, aus dem nichts heraus bekam ich es mit der Angst zu tun. Denn ich fragte mich was passieren würde wenn ich diese Wand durchbreche. Irgendwie hatte ich das Gefühl das dahinter noch mehr Dämonen lauerten, die – so glaubte ich – mir mehr geben wollten, was ich haben möchte. Heute weiß ich das sie mich vernichten wollte. Aber schweifen wir später ab. Sitzend im Pentagramm fragte ich
„Wie kann ich diese Wand durch brechen?“
„Du musst Jesus abschwören“
Uff, damit habe ich nicht gerechnet. Ich wusste nicht was das bedeutet. Was steckt dahinter, und warum ausgerechnet Jesus? Den Kontext brachte ich nicht zusammen.

Wenn du ihn verstehen willst, ließ dir den Artikel durch,
wie werde ich Christ.

Weiter im Text. Ich saß auf dem Boden, recht vor mir die Dunkelheit, links die Rauchschwaden und ich sitze da und weiß nicht wie es weiter geht. „Du musst Jesus abschwören“, oke ich überlegte daran ob ich das machen sollte oder nicht. Und genau in diese Szene durchbrach ein helles Licht, welches von links oben auf mich zu donnerte. Just in dieser Sekunde wusste ich dass das der Heilige Geist war. Woher ich gewusst habe, dass das der Heilige Geist war, weiß ich nicht. Der Heilige Geist sagte nicht viel, er gab mir nur einen Satz in den Kopf: „Wenn du das tust, dann geht es ab!“
Diese Worte erschraken mich komplett. Es war mein Satz den ich immer sage, wenn ich kurz davor bin komplett auszurasten, böse zu werden. Da ich wusste das ich diesen Satz immer dann sage, ist es zappen düster. Es wurde Still, sehr still. Alle warteten darauf was ich antworten würde. Das Licht, die Dämonen und auch ich selbst. Deutlich spürte ich wie wenig ich Jesus abschwören wollte und sprach: „Das will ich nicht“.

Alles blieb still und alle warteten was als nächstes passiert. Ich sagte nichts mehr. Das Licht ging wieder nach links oben raus. Ja… was man so will. Wollen ist ein listenreiches Wort. Ich hörte das Knurren der Dämonen, die mit dieser Entscheidung nicht einverstanden waren. Noch eine Stunde brauchte es, bis ich meine Angst überwunden bekam und die fremden Dämonen weg waren. Geblieben waren die Dämonen, meine „Haus- und Hofdämonen“, die eh da waren. Wie ich eben schrieb: Man gewöhnt sich an die Finsternis und die Dunkelheit.

Das Leben parallel
Zu dieser Zeit befand ich mich in einer Ausbildung zum Sicherheitsassistenten. Dort lernten wir alles kennen was mit dem Gewerbe zu tun hatte, für die Position für die wir ausgebildet wurde. Das Sicherheitsgewerbe ist natürlich praktisch für den privaten Ermittlungsdienst, den Privatdetektiven. Man vertiefte juristisches Wissen, lernt eine gewisse Psychologie und eigentlich alles was da noch hilfreich sein kann. Das ist jetzt aber nicht so wichtig wie unser Hauptlehrer. Denn er war ehemaliger Kaplan der Römisch Katholischen Kirche. Die Gemeinsamkeit war natürlich der Glaube und die Spiritualität. Wir kamen sehr gut miteinander klar. Zwischen Lehrstoff und und Feierabend, fanden wir immer wieder Gelegenheiten miteinander zu schnacken. Theologie war immer ein Thema gewesen, welches wir sehr genossen. Der wird noch recht wichtig werden für mein Leben.

Spirituell war ich in keinem Zuhause. Diese Pfingstgemeinde habe ich nie besucht, ich wollte nicht dahin gehen. Ich wollte nicht das die christliche Gemeinde Recht hatte, das die gut zu mir passen. Das würde ihr Abschieben meiner Person ja nur bestätigen. Ich wollte nicht bestätigen, das ich da nicht reingepasst habe, dafür war ich zu Stolz und zu verletzt. Aber dieser Ablehungsschmerz war ja ein stetiger Begleiter gewesen. Daher war mir der Schmerz vertraut. Was ihn nicht besser machte. Wenn ich die Macht hätte, würde niemand mehr mich ablehnen, so meine damalige, trügerische, Wahrnehmung. So vertiefte ich mein Wissen und übte fleißig übernatürliche Fähigkeiten. Ich war schon tief eingedrungen in die Materie. Ohne es zu merken rutschte ich in den satanischen Bereich ein. In meinen klinischen, schweren, Depressionen erhoffte ich mir ein Satanspriester zu werden. Aber für das nötige Ritual fehlte mir dann doch einiges und daher ist es nie dazu gekommen, ein solches Ritual zu statuieren. Ich wusste auch nicht woher ich gewisse Materialien bekommen sollte, die dafür nötig gewesen wären. Per eMail schrieb ich mal satanische Gruppen an, aber ich habe nie Antwort erhalten. Als Teil einer solchen Gruppe würde sicherlich was äh gutes.., passieren. Also im Sinne dessen das ich auf dem Weg nicht mehr alleine wäre. Aber irgendwer schien mich davor zu bewahren. Vielleicht war auch einfach mein eMail Client kaputt. Man weiß es nicht. Man munkelt nur. Zu dieser Zeit wurden auch meine Aufenthalte in der Psychiatrie immer häufiger. Eine hohe suizidale Empfindung begleitete mich stetig. Mein Gesamtzustand war also nicht sehr gut gewesen.

und es geht weiter

So zogen die Tage, Wochen und Monate ins Land und ich machte weiter mit dem was so alles gemacht hatte. Mit dieser Freundin aus der christlichen Gemeinde hatte ich einen sehr guten Kontakt und sie betete viel für mich. Und ihre Gebete wurden erhört. Irgendwann wollte ich auf eine Party wo sich okkulte Leute trafen und ein wenig feiern wollte. Dummerweise erzählte ich von dieser Veranstaltung, wo ich hin wollte. Auf dem Weg dahin merkte ich schon das irgendwas anders war als normal. Irgendwie begleitete mich Licht und ich merkte das wieder eine Person da war um mich davon abzuhalten dort hin zu gehen. Aber ich schritt strammen Schrittes weiter. Dort angekommen, wollte ich loslegen mit feiern und da mitten drin offenbarte sich die Person. Es war Jesus Christus der mich da genervt hatte. Ich immer am zischen gewesen:“Jesus geh weg“. Aber er nervte mich so sehr. Irgendwann nervte er mich so sehr das ich von dieser Veranstaltung weg gegangen bin. Am nächsten Tag besuchte ich meine christliche Freundin und erzählte es ihr auch noch. Ja, diese Freude darüber und ihr Lobgesang auf Jesus Christus gingen mir auch wieder rum auf den Zeiger, man war ich genervt. Aber ihr Lachen war einfach ansteckend. 
Meine Zustände änderten sich nie dauerhaft und mir ging es schlecht. Aber wen konnte ich um Rat fragen. Ich ging alle durch die ich so kannte und wusste niemanden dem ich mich so tief anvertrauen konnte. Doch, einer, einer war es dem ich vertraut genug war, um mit ihm über meine innersten Belang zu reden. Es war mein Opa. Die Sache hatte nur einen Haken. Mein Opa war schon Tot. Gut, dachte ich mir, ich bin ja ein ach so toller Magier, so nannte ich mich damals, also dann wollen wir mal die Toten beschwören.

In Erinnerung hatte ich noch das man die Toten nicht beschwören darf. Also nicht hoch rufen. Also musste ich irgendwie zu meinem Opa gelangen. Eine andere Wahl als eine weitere Seance fiel mir nicht ein.

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